- afghanistan anders fokussieren

4. Dezember 2015   18 Uhr
Galerie pavlov’s dog
Bergstraße 19
10115 Berlin

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Ausstellung verlängert bis zum 8. Januar 2016
Terminvereinbarungen unter iwan@pavlovsdog.org
Eintritt frei

Die Porträtreihe der britischen Fotografin Jessica Fulford-Dobson ist in zweifacher Hinsicht absolut sehenswert. Zum einen, weil sie ein preisgekröntes fotografisches Kunstwerk ist. Zum anderen, weil sie offenbar macht, was ein Skateboard in Afghanistan bedeuten kann – in einem von Konflikten und Armut zerrütteten Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung jünger als 16 Jahre alt ist, ja sogar 70 % der Bevölkerung unter 25 sind, Schulbildung für Mädchen lange Zeit verboten war und viele auch nach dem Sturz der Taliban noch keine Schule besuchen dürfen, weil sie arbeiten gehen müssen. In einem Land, in dem Mädchen ab dem Alter von 13 Jahren Sport in der Öffentlichkeit untersagt ist und sie vielerorts nicht Fahrrad fahren dürfen. Ein Land also, in dem Skate-Hallen mit angegliederten Klassenräumen nicht nur ein Refugium jenseits des Elends der Stadt draußen sind, sondern eine echte Perspektive, eine Chance, eine Freiheit, vor allem für die Mädchen Afghanistans…

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Als die Britin im Jahr 2012 erstmals die NGO Skateistan mit ihrem Projektwunsch kontaktierte, ahnte sie selbst noch nicht, welche beeindruckenden Seiten sie bei den jungen Skaterinnen Kabuls beobachten würde: Entschlossenheit, Tatkraft, Stärke, Weitsicht, Individualität, Leidenschaft, Stolz und Lebensfreude. Jessica Fulford-Dobson gelang es auf sehr sensible Weise, erst ihre Gunst, dann ihre Blicke einzufangen: mal ängstlich nervös, mal aufgeregt triumphierend, je nachdem, ob die Rampe vor oder hinter ihnen lag.
Eine Auswahl ihrer Serie der Skate Girls of Kabul ist vom 4.-19. Dezember 2015 in der Berliner Galerie pavlov’s dog zu sehen.

© 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson. All rights reserved.

Jessica Fulford-Dobson

Es ist der Begegnung mit Paul McCartneys Ehefrau, der Fotografin Linda McCartney, bei einem Dokumentarfilmdreh zu verdanken, dass Jessica Fulford-Dobson den Film gegen die Fotografie eintauschte. Sie war von der natürlichen Intimität der Aufnahmen von McCartney so begeistert, dass sie sich kurz darauf eine Nikon-Kamera kaufte und sich für einen Fotokurs anmeldete.

In der Zusammenarbeit mit der bekannten britischen Fotografin Alison Jackson entstanden gleichermaßen komische wie bizarre Aufnahmen mit Doppelgängern von Prominenten. Seit dem Jahr 2000 hat sich Fulford-Dobson als freie Porträtfotografin einen Namen gemacht. So hängen ihre Werke in englischen Privathäusern, wie z.B. bei den Churchills oder Mitgliedern der Königlichen Familie. Aber auch die Öffentlichkeit kann sich an ihren detailstark komponierten Porträtaufnahmen erfreuen: Man findet sie nicht nur im Telegraph Magazine, der britischen Vogue oder anderen Zeitungen und Magazinen rund um den Globus, sondern auch bei Ausstellungen in New York, London und Prag.

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Aus über 4.000 Einreichungen wurde ihr Porträt des afghanischen Mädchens mit seinem Skateboard ausgewählt und in 2014 mit dem 2. Platz des „Taylor Wessing Photographic Portrait Prize“ der National Portrait Gallery prämiert. Im April diesen Jahres folgte Fulford-Dobsons erste Einzelausstellung bei der Saatchi Gallery in London. Die britische Fotografin, die gern instinktiv und mit natürlichem Licht arbeitet, „findet“ – wie sie selbst sagt – eher Bilder, als dass sie welche „macht“.

Skateistan – dieser Name steht für Sport und Bildung und bedeutet zugleich Selbstvertrauen, Respekt, Individualität, Gemeinschaft, Hoffnung und Lebensfreude für kriegserschütterte afghanische Mädchen und Jungen.

Eine Bewegung im doppelten Sinne also, die mit dem Enthusiasmus des australischen Skaters Oliver Percovich begann, als er zusammen mit Sharna Nolan 2007 mit drei Skateboards in Kabul ankam, der Hauptstadt eines Landes, in dem Kinder die Hälfte der Bevölkerung ausmachen und Mädchen ab 13 Jahren nicht mehr öffentlich Sport treiben dürfen.

Eine Bewegung, die für eben diese Mädchen und die Jungen Afghanistans private Indoor Skateparks und Klassenzimmer mit Computerausstattung gebaut hat, in denen IT, Kunst und Sprachen genauso gelehrt werden wie Gesundheitsmaßnahmen und Bürgerverantwortung.

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Eine Bewegung, die durch das unermüdliche Engagement von gleichermaßen passionierten Skateboardern wie Aktivisten ethnische, religiöse, geschlechtsspezifische und sozioökonomische Grenzen überbrückt und dank der Hilfe von internationalen Geldgebern und Partnern der Skateboard-Industrie seit 2009 als afghanische NGO registriert ist. Sie beschäftigt inzwischen 60 Mitarbeiter in verschiedenen Ländern und hat Bildungs- und Skateprogramme in Phnom Penh und Johannesburg aufgelegt.

Und seit 2011 steht Skateistan auch für den gleichnamigen Film mit dem Untertitel „Four Wheels and a Board in Kabul“ („Vier Räder und ein Brett in Kabul“) – ein fesselnder, eindrucksvoller, berührender Dokumentarfilm jenseits der westlichen Berichterstattung, der beim Filmfestival im Rahmen der Afghanischen Kulturwoche in Berlin zu sehen ist.

Skateistan

Wo?

pavlov’s dog
Bergstraße 19
10115 Berlin